Die australische Bundesregierung entwickelt aktiv eine Straßenbenutzungsgebühr für Elektrofahrzeuge (EVs), die zusammen mit dem kommenden Bundeshaushalt im Mai vorgeschlagen werden soll. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Kritik am bestehenden Kraftstoffsteuersystem und der Notwendigkeit, mit sinkenden Einnahmen im Zuge der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen umzugehen.
Die Abkehr von der Kraftstoffverbrauchsteuer
Seit Jahrzehnten bringt die australische Kraftstoffverbrauchsteuer – eine Pauschalsteuer auf Benzin und Diesel – der Bundesregierung erhebliche Einnahmen ein. Derzeit erwirtschaftet die Verbrauchsteuer jährlich rund 7,3 Milliarden US-Dollar aus Benzin und 17,6 Milliarden US-Dollar aus Diesel. Diese Einnahmequelle ist jedoch gefährdet, da immer mehr Fahrer auf Elektrofahrzeuge umsteigen, die nicht zur Kraftstoffsteuer beitragen.
Die derzeitige Kraftstoffverbrauchsteuer beträgt 52,6 Cent pro Liter und wird zweimal jährlich anhand des Verbraucherpreisindex (VPI) angepasst. Trotz der jüngsten Preisvolatilität bleibt die Steuer fest, was bedeutet, dass trotz des Drucks, die Kosten an der Zapfsäule zu senken, keine Senkung der Verbrauchsteuer geplant ist.
Vorgeschlagene Straßengebühr für Elektrofahrzeuge
Um den Verlust an Treibstoffsteuereinnahmen auszugleichen, prüft die Regierung zwei primäre Methoden zur Erhebung von Gebühren für Fahrer von Elektrofahrzeugen: die Verfolgung der Straßennutzung per GPS im Auto oder die Erhebung jährlicher Kilometerstände. Schatzmeister Jim Chalmers bestätigte letztes Jahr, dass die Regierung die Arbeit an einer nationalen Straßenbenutzungsgebühr für Elektrofahrzeuge beschleunigt, mit einer möglichen Einführung bis 2028.
Anfechtungen vor dem Obersten Gerichtshof und Beteiligung des Staates
Frühere Versuche, Straßengebühren für Elektrofahrzeuge auf Landesebene einzuführen, stießen auf rechtliche Hürden. Im Jahr 2023 hob der Oberste Gerichtshof von Australien das System von Victoria auf, das den Fahrern von Elektrofahrzeugen eine Gebühr von 2,8 Cent pro Kilometer in Rechnung stellte. Ähnliche Vorschläge in New South Wales, Südaustralien und Westaustralien liegen derzeit in Erwartung bundesstaatlicher Leitlinien auf Eis.
Internationaler Präzedenzfall: Neuseelands Ansatz
Ein kontrastierendes Beispiel ist Neuseeland. Bis 2027 plant das Land, die Kraftstoffsteuer vollständig abzuschaffen und durch eine entfernungsabhängige Straßenbenutzungsgebühr (RUC) zu ersetzen, die für alle Fahrzeugtypen gilt. Dieser Schritt zielt auf ein gerechteres System ab, bei dem alle Fahrer unabhängig vom Kraftstoffverbrauch zur Straßeninstandhaltung beitragen.
Reaktion der Branche und Zukunftsaussichten
Die Australian Electric Vehicle Association (AEVA) plädiert für eine universelle, gewichtsabhängige Straßenbenutzungsgebühr, die die Kraftstoffverbrauchsteuer vollständig ersetzen würde. AEVA-Präsident Dr. Chris Jones argumentiert, dass die zunehmende Einführung von Elektrofahrzeugen – wobei die Verkäufe im Jahr 2025 einen Rekordwert von 103.270 erreichen, was 8,3 % des gesamten Fahrzeugabsatzes entspricht – ein umfassendes nationales System von entscheidender Bedeutung sei.
Die Einführung einer gerechten Straßenbenutzungsgebühr ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern des Wann. Da Elektrofahrzeuge bis 2030 über 30 % der Neuwagenverkäufe ausmachen werden, ist das derzeitige Modell der Kraftstoffverbrauchsteuer nicht nachhaltig.
Die Debatte darüber, wie Australiens Straßen am besten finanziert werden können, wird immer intensiver. Der bevorstehende Vorschlag der Regierung wird wahrscheinlich die Zukunft der Kfz-Besteuerung in den kommenden Jahren prägen.






























