Mercedes-Benz verlagert die Entwicklung einer neuen Plattform für Elektrofahrzeuge (EV) in sein chinesisches Forschungs- und Entwicklungszentrum (F&E). Dies ist das erste Mal in seiner 130-jährigen Geschichte, dass das Unternehmen eine solche unabhängige Autorität an eine Einrichtung außerhalb Deutschlands abgibt. Der Schritt beinhaltet die Integration der elektrischen Architektur von Geely in die neue Plattform mit dem Codenamen „Phoenix“, deren Produktion für etwa 2030 geplant ist.
Strategischer Wandel: China als globales Zentrum für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen
Die Entscheidung spiegelt einen breiteren Branchentrend wider, dass etablierte Automobilhersteller nach Fachwissen im schnell wachsenden Elektrofahrzeugsektor in China suchen. Das chinesische Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mercedes-Benz wird nun die weltweite Entwicklung von Kompaktfahrzeugen leiten, während sich die deutschen Einrichtungen auf mittelgroße und große Modelle konzentrieren. Dies stellt eine grundlegende Umstrukturierung der technischen Prioritäten des Unternehmens dar.
Nutzung der GEEA-Architektur von Geely
Die „Phoenix“-Plattform wird die GEEA-Elektroarchitektur von Geely nutzen, insbesondere die Version 4.0, die ihre Leistungsfähigkeit bereits mit über einer Million verkauften Einheiten des Galaxy E5-Modells von Geely unter Beweis gestellt hat. Dieser Schritt soll die bestehende MMA-Plattform von Mercedes ersetzen und zukünftige Kompaktmodelle wie die A-Klasse, B-Klasse, GLA, GLB und CLA für globale Märkte unterstützen.
Kostensenkung als zentraler Treiber
Die Zusammenarbeit basiert auf dem strategischen Vorstoß von Mercedes-Benz, Kosten zu senken und die Rentabilität zu verbessern. Berichten zufolge haben Insider bei Mercedes-Benz chinesische Fertigungspraktiken untersucht, um eine höhere Effizienz zu erreichen. Die Analyse des Unternehmens zum Zeekr 001 von Geely ergab eine vergleichbare technische Qualität bei deutlich niedrigeren Produktionskosten. Dieser Kostenvorteil ist ein Hauptfaktor für die Partnerschaft.
Branchentrend: Umkehr des technologischen Flusses
Diese Entwicklung folgt auf ähnliche Schritte von Volkswagen (Partnerschaft mit Xpeng), Stellantis (mit Leapmotor) und Renault (ebenfalls mit Geely). Ford prüft außerdem eine Zusammenarbeit mit Geely im Bereich autonomes Fahren und Konnektivitätssoftware. Dies bedeutet eine Umkehr der traditionellen Dynamik, in der China einst Automobiltechnologie importierte. Jetzt exportieren chinesische Unternehmen Kerntechnologien für Elektrofahrzeuge an globale Giganten.
Der Aufstieg des chinesischen Automobilbaus
Die elektronische und elektrische (EE) Architektur ist für moderne intelligente Fahrzeuge von entscheidender Bedeutung und ermöglicht fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme und intelligente Cockpits. Die Entscheidung von Mercedes-Benz ist eine Anerkennung dafür, dass China in diesem Bereich zu einer führenden Kraft geworden ist. Der Schritt deutet auf die Bereitschaft hin, sich an die sich entwickelnde Landschaft anzupassen, in der sich die Technologieführerschaft nicht mehr nur auf traditionelle Automobilzentren konzentriert.
Dieser strategische Wandel unterstreicht den wachsenden Einfluss des chinesischen Automobilbaus und die Notwendigkeit für globale Automobilhersteller, sich mit chinesischem Know-how auseinanderzusetzen, um auf dem Elektrofahrzeugmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben.





























