Aufstieg, Fall und Memeifizierung des Nissan Altima

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Der Nissan Altima stirbt nicht – er verweilt nur. Trotz des allgemeinen Rückgangs bei den Limousinenverkäufen bleibt das Mittelklasse-Angebot von Nissan hartnäckig auf dem Markt. Aber in seiner Geschichte geht es um mehr als nur ums Überleben; Es ist eine Fallstudie darüber, wie ein einst respektables Auto zur Pointe, zum Symbol finanzieller Verzweiflung und zu einer unwahrscheinlichen Internet-Ikone wurde.

Vom respektablen Ritt zum Spott

Der Altima war nicht immer Gegenstand von Witzen. Der 1992 eingeführte Wagen wurde zunächst für sein sportliches Handling und seine ordentliche Leistung gelobt. In ersten Rezensionen wurde der „starke Motor“ und die „scharfe Lenkung“ hervorgehoben, obwohl er nicht ganz das Leistungsniveau seines Geschwistermodells Maxima erreichte. Dennoch waren die Verkaufszahlen solide genug, um nachfolgende Generationen zu rechtfertigen.

Der Altima der dritten Generation (2002–2006) markierte einen Wendepunkt. Plötzlich bot er mehr Platz als Konkurrenten wie der Toyota Camry und der Honda Accord und passte sogar zu teureren Modellen. Mit verfügbaren Ledersitzen, einem leistungsstarken V6-Motor und sogar einem Sechsgang-Schaltgetriebe erfreute sich der Altima kurzzeitig großer Beliebtheit bei Enthusiasten und gewann 2002 die Auszeichnung „North American Car of the Year“. Fast zwei Jahrzehnte lang war er das meistverkaufte Auto von Nissan.

Die Ghosn-Ära und Kostensenkung

Der Niedergang des Altima begann mit der Ankunft von Carlos Ghosn, dessen aggressive Kostensenkungsmaßnahmen Nissan umgestalteten. Während Ghosns Kehrtwende bei Renault erfolgreich war, kam es während seiner Amtszeit bei Nissan zu Massenentlassungen, Werksschließungen und Kürzungen der Forschungs- und Entwicklungsbudgets. Der Altima der vierten Generation (2006) debütierte mit einem günstigeren stufenlosen Getriebe (CVT) anstelle eines herkömmlichen Automatikgetriebes und markierte damit eine Verlagerung hin zu Kosten statt Qualität.

Diese Entscheidung erwies sich als kostspielig. Das CVT wurde für seine Misserfolge berüchtigt, die zu Klagen führten und das Vertrauen der Verbraucher untergruben. Die Restwerte sanken drastisch, und der Wiederverkaufswert der drei Jahre alten Altimas blieb stets hinter dem Camry und dem Accord zurück. Auch die Markentreue litt darunter und sank von 51 % im Jahr 2015 auf nur noch 39,1 % im Jahr 2025 – was bedeutet, dass weniger Altima-Besitzer ihre Autos durch einen anderen Nissan ersetzten.

Der Aufstieg des koreanischen Wettbewerbs und der Subprime-Kreditvergabe

Während Nissan seine Investitionen in den Altima zurückzog, legten Konkurrenten wie Hyundai und Kia nach. Die Koreaner boten frischere Designs und mehr Funktionen zu wettbewerbsfähigen Preisen und stahlen Marktanteile. Um dies zu kompensieren, verfolgte Nissan aggressiv die Subprime-Kreditvergabe und arbeitete mit Unternehmen wie Santander zusammen, um Käufern mit schlechter Bonität hochverzinsliche Kredite anzubieten.

Diese Taktik funktionierte kurzfristig und steigerte den Umsatz, war jedoch mit hohen Kosten verbunden. Ein Bericht aus dem Jahr 2015 deckte räuberische Kreditvergabepraktiken auf, bei denen Händler arbeitslosen Kunden Kredite zu Zinssätzen von bis zu 25 % aufdrängten. Diese Taktiken führten zu Beschlagnahmungen, Reputationsschäden und letztendlich zu einem Rückgang des Nissan-Aktienkurses.

„Big Altima Energy“: Die Memeifizierung

Der Ruf der Altima entwickelte sich zu einer Internet-Schande. Das Auto wurde zum Synonym für rücksichtsloses Fahren, finanzielle Instabilität und allgemeines Chaos. Online-Communities wie die Facebook-Gruppe „Big Altima Energy“ und der Subreddit r/NissanDrivers feierten den Niedergang des Altima und verwandelten ihn in ein Meme. Bilder von verbeulten Altimas mit gesprungenen Windschutzscheiben, abgelaufenen Etiketten und sichtbaren Schäden wurden zu viralen Symbolen der Verzweiflung im Automobilbereich.

Die Ironie besteht darin, dass viele Altimas auf der Straße einfach alt sind und das Durchschnittsalter mittlerweile über ein Jahrzehnt liegt. Da die Menschen länger an Fahrzeugen festhalten, bleiben diese einst ehrwürdigen Limousinen sichtbare Erinnerungen an eine vergangene Ära.

Die Zukunft der Altima

Der Altima-Absatz erreichte 2014 seinen Höhepunkt, ging dann aber im vergangenen Jahr stetig auf nur noch 93.268 Einheiten zurück. Da keine nennenswerten Investitionen in das Modell getätigt werden, ist die Zukunft des Altima ungewiss. Doch für diejenigen, die immer noch einen fahren, ist es eine Erinnerung daran, dass es manchmal die beste Option ist, einfach das, was man hat, am Laufen zu halten – auch wenn das bedeutet, die Memes zu ertragen.

In der Geschichte des Altima geht es nicht nur um ein Auto; Es geht um eine Marke, die sich verirrt hat, um einen Markt, der sich verändert hat, und um die unerbittliche Fähigkeit des Internets, alles dazwischen zu verspotten.