Goodwood House steht seit Jahrhunderten in West Sussex. Seit 1617. Dort leben die Herzöge von Richmond. Das haben sie schon immer getan. Aber jeden Sommer bricht die Stille.
Seit nunmehr 33 Jahren wimmelt es von Tausenden Fahrzeugen auf dem Anwesen.
Sie kommen zum Goodwood Festival of Speed. Es klingt wie eine Show. Es ist mehr. Es ist das, was die Automobilwelt einem religiösen Erlebnis am nächsten kommt.
Wie wurde Goodwood zum wichtigsten Autoereignis?
Die Geschichte beginnt mit Charles Gordon-Lenoux. Der 11. Herzog von Richmond. 1993 hatte er ein Problem. Die nahegelegene Rennstrecke war geschlossen. Die örtliche Gemeinde hatte dafür gestimmt, den großen Motorsport in ihrem Hinterhof zu beenden.
Die meisten Veranstalter hätten aufgegeben. Nicht der Earl of March.
Er blickte auf die Einfahrt. Es erstreckt sich über 1,16 Meilen. Es geht einen Hügel hinauf. Warum nicht Rennen fahren?
Dieser einfache Dreh- und Angelpunkt hat den Motorsport gerettet. Er verwandelte eine private Auffahrt in eine Bühne für die besten Maschinen der Welt. Er kombinierte das Bergrennen mit statischen Vorführungen auf dem Rasen. Die Kombination funktionierte besser, als es jede herkömmliche Rennstrecke jemals könnte.
Jetzt konkurriert es mit Automessen in LA oder Genf. Aber diese Shows fühlen sich kalt an. Unternehmen. Goodwood fühlt sich lebendig an.
„Videos werden dem nicht gerecht. Man muss da sein, um zu verstehen, warum dieses Ereignis wichtig ist.“
Was passiert eigentlich beim Festival of Speed im Jahr 2026?
Ich war viermal in Goodwood. Dies war der vierte. Die Hitzewelle traf hart. Die englische Sonne brannte auf dem Gelände. Doch die Aufregung ließ nicht nach.
Die Skala schockiert einen, wenn man sich nur an das Jahr 2018 erinnert. Damals fühlte es sich überschaubar an. Jetzt? Es ist ein Biest.
Jeder Hersteller mit Plakette benötigt hier einen Steckplatz. Bentley stellte den Continental Supersports vor. Lamborghini brachte den Urus SE Performante. Es ist auch nicht mehr nur ein europäisches Erbe.
Chinesische Autohersteller sind mittlerweile überall.
BYD dominierte seinen Stand. Denza beanspruchte riesige Abschnitte. Sie zeigen nicht nur SUVs. Sie behaupten ihre Präsenz auf der größten Automobilbühne der Welt.
Aber schauen Sie über die Markenzelte hinaus. Die Koppel ist der Ort, an dem die Träumer hingehen.
Es gibt Hypercars, die mehr kosten als die meisten Häuser. Der Red Bull RB17 sitzt in der Nähe des Hennessey Venom F5. Der Apollo IE parkt neben einem Gordon Murray T.50. Sie sind absurd. Schön. Teuer.
Menschenmengen versammeln sich, nur um die gleiche Luft zu atmen.
Warum die Fahrt beim Goodwood Hillclimb alles verändert
Ich hatte es jahrelang beobachtet. Von der Seitenlinie. Ich bin nie hinaufgegangen. Erst 2026.
Mein Auto war ein Bentley Continental GTC Speed. Hybrid. Cabrio. Es leistet 771 PS. 738 lb-ft Drehmoment. 0-60 Meilen pro Stunde in 32 Sekunden? Nr. 3,2 Sekunden.
Der Fahrer war André Gies. Er verwaltet die Fahrzeugdynamik für Bentley. Seinen Lebensunterhalt verdient er damit, GT3-Autos zu fahren. Er kennt jeden Zentimeter des Asphalts.
Das Erreichen der Startlinie ist Teil des Rituals.
Wir kriechen aus der Koppel. Zuschauer säumen den Weg. Sie betteln um Motordrehzahl. Die meisten Autofahrer kommen dieser Verpflichtung nach. Es fühlt sich lässig an. Chaotisch.
Dann schaust du nach oben.
Ein Ferrari F80 versperrt Ihnen die Sicht. Vor uns wartet ein Apollo IE. Links verbirgt sich eine heidnische Utopie. Und Lightning McQueen? Er raste tatsächlich vor uns her. Kachow.
Es ist surreal. In einem elektronischen Gerät im Wert von 342,0 US-Dollar? Nein, ein Auto. Ein echtes Auto. Du fühlst dich klein.
Warten am Start. Rauch steigt aus den Reifen. Einführung von Hypercars. Sie verschwinden in einem Nebel aus Farbe und Lärm hinter Heuballen.
Dann sind Sie dran.
Ist das Bergrennen nur ein Spektakel oder eine ernsthafte Strecke?
Ich dachte, es wäre sanft. Immerhin eine Auffahrt. Mit Ballen ausgekleidet. Bäume. Ein schöner Spaziergang hinauf zum Herrenhaus.
Ich habe mich geirrt.
André gibt Gas. Der Bentley explodiert nach vorne.
Der eröffnende Rechtshänder trifft dich hart. Im Fernsehen sieht es distanziert aus. Im Cockpit rast die Wand mit tödlicher Geschwindigkeit auf Sie zu. Die Heuballen sind keine Dekoration. Sie sind die letzte Verteidigungslinie.
Er versucht, den großen Bentley durch die Kurve zu schieben. Vergisst, ESC zu deaktivieren. Es wehrt sich. Unterhaltsam, sicher. Gefährlich? Absolut.
In der zweiten Hälfte wird es enger.
Es entsteht die berühmte Engstelle zwischen der Steinmauer und den Ballen. Hier gibt es keinen Spielraum. Vor allem nicht in einem schweren Grand Tourer. Sie müssen die Grenzen respektieren.
Sie verstehen, warum hier Autos abstürzen. Jedes Jahr hinterlassen Autofahrer Farbe. Der Bergaufstieg ist unversöhnlich. Es erfordert Präzision. Geschwindigkeit ist ohne Kontrolle nutzlos.
Es ist keine Spielerei. Es ist ein Test.
Wo findet man die wahre Seele der Autokultur?
Wir leben in Bildschirmen. Telefone. Dashboards. Datenströme.
Goodwood reißt dich mit.
Du riechst den Auspuff. Sie sehen die Kohlefaser aus der Nähe. Sie hören den V12-Schrei. Sie beobachten, wie die Federung bei Unebenheiten einfedert. Wenn man Glück hat, spürt man die G-Kräfte selbst.
Es erinnert uns daran, worum es bei diesem Hobby geht.
Es handelt sich nicht um Spezifikationen. Es handelt sich nicht um Reichweitenangst. Es ist Emotion. Reine, ungefilterte Emotion.
Die Veranstaltung wird größer. Die Marken wechseln. Die Autos werden schneller.
Aber das Gefühl bleibt dasselbe.
