Technische Evolution: Wie aus einem 19 Jahre alten Lexus-Motor ein Supersportwagen-Kraftpaket wurde

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Toyota unternimmt einen erheblichen Vorstoß in die australische Repco Supercars-Meisterschaft, aber ihr Einstieg ist nicht von Grund auf neu. Stattdessen basiert es auf einer raffinierten Neuinterpretation eines fast zwei Jahrzehnte alten Motors. Durch eine technische Partnerschaft zwischen dem in Großbritannien ansässigen Unternehmen Swindon Powertrain und dem australischen Unternehmen Walkinshaw TWG Racing wurde ein erfahrener Lexus V8 in ein konkurrenzfähiges Rennherz des Toyota GR Supra der dritten Generation verwandelt.

Die Stiftung: Der 2UR-GSE neues Leben einhauchen

Das Herzstück dieses Projekts ist der Toyota 2UR-GSE, ein 4,9-Liter-V8, der erstmals 2007 auf den Markt kam. Obwohl er ursprünglich für High-End-Straßenfahrzeuge von Lexus entwickelt wurde, machte ihn seine inhärente Haltbarkeit zu einem idealen Kandidaten für die harten Anforderungen des Supercar-Rennsports.

Um das Potenzial des Motors innerhalb der technischen Vorschriften der Serie zu maximieren, konzentrierten sich die Ingenieure auf drei kritische Bereiche: Hubraum, Kraftstoffzufuhr und Ventilsteuerung.

Wichtige technische Transformationen

1. Erreichen der „quadratischen“ Konfiguration

Die Vorschriften für Supersportwagen erlauben Hubräume von 5,0 oder 5,7 Litern. Um diese Schwelle zu erreichen, ohne die Integrität des vorhandenen Motorblocks zu beeinträchtigen, entschied sich Swindon Powertrain für eine strategische Neugestaltung der inneren Geometrie:
Die Modifikation: Sie ersetzten die Standardkurbelwelle durch eine neue Version und erhöhten den Hub von 89,5 mm auf 94 mm.
Das Ergebnis: Dadurch entstand eine „quadratische“ Konfiguration – bei der Bohrung und Hub gleich sind – wodurch das Gleichgewicht und die Leistungsabgabe des Motors optimiert wurden und gleichzeitig die Vorschriften vollständig eingehalten wurden.

2. Von der Direkteinspritzung zur Porteinspritzung

Eine der größten Hürden war das Verbot der Direkteinspritzung in der Serie. Da der ursprüngliche 2UR-GSE auf Direkteinspritzung setzt, musste das gesamte Ansaugsystem überholt werden:
Der Umbau: Ingenieure „löschten“ die ursprünglichen Einspritzdüsenbohrungen im Zylinderkopf und ersetzten sie durch ein neues Kanaleinspritzsystem.
Fortschrittliche Fertigung: Das neue Einlasssystem verfügt über einen 3D-gedruckten Ansaugkrümmer. Diese von Swindon erfolgreich in der British Touring Car Championship (BTCC) eingesetzte Technologie nutzt 3D-gedruckte Kunststoff- und bearbeitete Komponenten, um eine perfekte Luftstromverteilung und eine optimale akustische Abstimmung der Drehmomentkurve zu gewährleisten.
Verfeinerung der Verbrennung: Da die Kanaleinspritzung die Art und Weise verändert, wie der Kraftstoff in den Zylinder gelangt, wurden die Brennkammern neu gestaltet, um eine effiziente Verbrennung und zuverlässige Leistung zu gewährleisten.

3. Lösung des VVT-Dilemmas

Moderne Serienmotoren nutzen elektronische Systeme zur variablen Ventilsteuerung (VVT), um die Effizienz zu optimieren. Supercars erfordern jedoch ein standardisiertes, versiegeltes Steuergerät, das diese elektronischen Systeme nicht unterstützt.
Die Lösung: Swindon hat ein maßgeschneidertes hydraulisches VVT-System für die Einlassnocken entwickelt, um die Funktionalität des Originals nachzuahmen. Dies erforderte eine komplette Neukonstruktion mehrerer Komponenten, einschließlich Nockenkappen, Nockenabdeckungen und Ölkanäle.

Effizienz durch Hybrid-Engineering

Trotz der umfangreichen Liste an Modifikationen folgt das Projekt einer Philosophie der strategischen Beibehaltung. Durch die Beibehaltung des Großteils der ursprünglichen Produktionskomponenten erreicht das Team zwei Ziele:
1. Einhaltung gesetzlicher Vorschriften: Einhaltung des strengen Rahmens der Gen3-Regeln.
2. Kostenmanagement: Reduzierung der Komplexität und der Kosten beim Bau eines maßgeschneiderten Rennmotors von Grund auf.

Während die geistigen Eigentums- und Designarbeiten ihren Ursprung in Großbritannien haben, werden die physische Montage und die laufende Wartung vor Ort im Werk von Walkinshaw TWG Racing in der Nähe von Melbourne durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Toyota GR Supras bereit für die Rennstrecke sind.


Diese technische Meisterleistung zeigt, wie „alte“ Technologie durch moderne additive Fertigung und präzise mechanische Neukonstruktion äußerst wettbewerbsfähig gemacht werden kann, und beweist, dass Langlebigkeit im Automobildesign eine Frage der Weiterentwicklung und nicht des Ersatzes ist.